|
Im Land der roten Stille
Schon beim Anflug auf Windhoek fasziniert uns die Weite und Einsamkeit, die sich unter den Tragflächen ausbreitet. Karge Gebirgsketten durchpflügen die Landschaft. Wir vernehmen kleine staubige Farmstrassen, die Scheins ins Endlose führend, doch in der Unendlichkeit zu ihrem Bestimmungsort steuern.
Nach 10 Stunden Flug landen wir auf immer noch luftigen 1.650 Metern in der Hauptstadt Namibias. Das hier europäisch anmutende Flair ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. So sind Braukunst, Sauerkraut und deutschsprachige Geschäfte untrennbar mit der Kultur verankert.
Mit einer Adresse von Freunden aus Deutschland folgen wir einer Einladung der besonderen Art. Gräfin zu Bentheim, Tochter einer der ersten weißen Einwanderer in Namibia, lässt bitten. Der hausgemachte Apfelkuchen und das akzentfreie Deutsch geben uns nicht wirklich das Gefühl uns in Afrika aufzuhalten. Gespannt lauschen wir den spannenden Erzählungen der 90jährigen.
Nächster Stopp – der Ethosha Nationalpark. Laura kann es kaum erwarten, endlich für sie fremde Tiere zu entdecken. Strauße, Giraffen, Antilopen, Zebras, Elefanten und Nashörner gehören hier zum Alltagsbild.
Weiter geht’s mit dem Allrad von ASCO Car-Hire in die schier endlosen, fast menschenleeren Weiten des Kaokoveld zu den letzten Nomaden Namibias – den Himbas. Mit Gastgeschenken wie Mehl, Zündhölzern und Salz besuchen wir dieses stolze Volk. Das jahrtausendealte Spiel beginnt. Zunächst bedeutet alles fremde Ungewissheit, man beschnüffelt sich vorsichtig, dann eine erste Annäherung und der Austausch kleiner Geschenke. Weltweit werden so Brücken gebaut. Wir werden eingeladen mehrere Tage mit ihnen zu leben. Lauras individuelle Vorschule.
Zurück in Windhoek geben wir unseren Allrad zurück. In der Pension Christoph kramen wir die Fahrradkisten aus dem Lagerraum. Der Bolzen von Lauras Nachläufer schnappt vertraut in die dafür vorgesehene Bohrung meines Gepäckträgers ein. Untrennbar werden wir für die nächsten 6 Wochen und 1.000 Kilometer miteinander verbunden sein.
Mit der Langsamkeit einer Eselskarre verlassen wir den Schonraum Windhoek. Adieu Teerstrasse. Steine knirschen unter dem Profil der Reifen. Wie ein Wurm windet sich der steile Weg den Kupferbergpass hinauf. Endlich, wir überrollen unsere erste Passhöhe. Trinkpause, das Wasser spült den Staub aus dem Hals. Langsam fällt auch die Schwerfälligkeit von uns ab, die wie eine zusätzliche Last am Bike klebt. Irgendwo schlagen wir in der Einsamkeit unser Zelt auf.
Wir rollen durch das Khomas Hochland – unendliche Weite. Endlich, die Abfahrt am Gamsbergpass – die Beine baumeln lassen. Ein Farmer stoppt uns. Berichtet uns über die kommende Streckenführung. Das wollen wir zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht wissen. Der Atem wird schwer, der Schweiß reizt die Augen, geradezu provozierend liegen die letzten Bodenwellen da vor uns. „Los weiter“, denkt Manuela, sich selbst aufpuschend, aber dann geht es nicht mehr. Nur noch vom Sattel, sich hinhocken… „Verfluchte Plackerei…!“ Völlig ausgepumpt sitzt sie in der Senke.
Genug für heute. Ein traumhaft wilder Campplatz entschädigt für die Strapazen. Unser Lagerfeuer aus wild aromatischen Hölzern prasselt in die sternenklare Nacht. Wir verschlingen unser Travellunch.
In langsamen Rhythmus geht die Reise weiter. An der T-Kreuzung fahren wir nach links Richtung Sossusvlei. Über Solitaire erreichen wir überglücklich den Campingplatz bei Sesriem – dem Ausgangspunkt, zu den höchsten roten Sanddünen der Welt. Und dann d i e Belohnung nach zehn Tagen, der göttliche „Regen“ einer Dusche, man steht einfach nur da, schließt die Augen und ist wunschlos…nass!
Der Southern Capricon (Tropengrenze) und den Gaub Pass lassen wir erneut hinter uns. Wieder stehen wir an der T-Kreuzung. Atlantikküste wir kommen. Die Durchquerung des Namib Naukluft Parks und der ältesten Wüste der Erde stehen bevor – 170 Kilometer unbewohnte Einsamkeit. Jeden Morgen seit Beginn der Tour sind wir im Schein unserer Lampen gestartet, Tagesetappen von 40-70 Kilometer. Laura geht’s noch immer gut.
Erhaben, zeitlos, menschenfeindlich liegt die Namib im gigantischen Morgenlicht. Sie ist unnachgiebig – nur unnachgiebige Dinge können hier überleben. In der Ebene vernehmen wir wuselige grüne Punkte. Grundschüler auf Klassenfahrt. Laura wird umringt, mit Süßigkeiten und Limo versorgt – ein breites Grinsen huscht ihr über das Gesicht.
 Angekommen in Swakopmund, 700 von 1.000 Kilometern liegen hinter uns. Nach einigen Tagen Erholung im Hotel Prinzessin Rupprecht , viel gutem Essen drängt es uns wieder nach echter Bewegung. Zuvor allerdings unternehmen wir mit Levo Tours eine atemberaubende Dolphintour von Walvis Bay über den Atlantik.
Den Tag darauf rollen wir motiviert mit den Bikes aus der Stadt Richtung Cape Cross und dem „Welwetschia Trail“ zu dem schönsten aller wilden Campplätze in unserem Travellerleben – der Moonlandscape. Die Landschaft um uns herum badet im bezaubernden Licht und wird nur noch vom folgenden Sternenhimmel getopt. Was brauchen wir ein 5-Sterne-Hotel, hier haben wir Millionen davon.
Die wilde unberührte Natur, ebenso die Menschen in Namibia haben uns einfach überwältigt. Der Lohn unserer Reise, die europäischen Luxusgüter im Überfluss: nämlich Weite, Ruhe und Zeit satt. Insofern überreich beschenkt steigen wir in den Flieger und heben ab. Wir sehen die uns jetzt vertrauten scheinbar ins Nichts führenden staubigen Farmstraßen unter den Tragflächen. Namibia, wir werden zurückkehren.
Tipps und Anlaufstellen:
Windhoek, Asco Carhire, deutschsprachig/ englisch
Tel: 00264 (0)61 377200, www.ascocarhire.com
Top Service, Zuverlässige Fahrzeuge. Ansprechpartner Elvira Riegel.
Grüße von Klaus Herzmann übermitteln
Swakopmund, Hotel Prinzessin Rupprecht, deutschsprachig
Tel: 00264 (0)64 412540, www.prinzrupp.com.na
Zentral und ruhig gelegen, nur 1 Minute Gehweg zum Strand
Walvis Bay, Levo Dolphin Tours, deutschsprachig
Tel: 00264 (0)64 20 7555, www.levotours.com
Kleine Gruppen, tolle Atmosphäre, großartige Tierbeobachtung.
Alle Getränke, sowie ein reichhaltiges leckeres Büfett sind im Preis beinhaltet.
Windhoeck, Pension Christoph, deutschsprachig
Tel: 00264 (0)61 240777, www.natron.net/tour/christoph
Zentral gelegen, Swimmingpool. Die Oase in Windhoek…
|